472. Tag
- siddhiroth
- 13. Apr.
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 18. Apr.
Gestern entschieden wir uns spontan, einen Tag früher nach Agra zu fahren, damit wir noch „Varanasi“, die bekannte Stadt am Ganges besichtigen können. Mein Bruder und mein Partner fanden im Internet ein Zugticket, welches zwar kostengünstig für umgerechnet ca. 8 Franken war, jedoch man ausdrucken sollte. So gingen wir am Vorabend an den vermeintlichen Bahnhof, wo wir das Ticket ausdrucken konnten. Es tummelten sich wieder viele Leute und das hektische Treiben machte unsere Suche nach dem Ticketschalter nicht bessern. Es gab zwei Monitore, wo man offensichtlich die Tickets ausdrucken konnte, jedoch versicherte uns eine andere Person das E-Ticket würde reichen falls uns jemand kontrollieren würde. Entspannt gingen wir zurück ins Hotel.
Am Morgen darauf packten wir unsere Sachen und checkten um 5.30 Uhr aus und marschierten mit unseren Rucksäcken zum Bahnhof. Man hätte meinen sollen, dass um diese Zeit die Strassen leer waren. Im Gegenteil es waren bereits wieder viele Menschen unterwegs. Durch die kontrolle gelangt, sagte uns eine andere Person (wir nahmen stark an, dass es ein Fachperson vom Bahnhof war), dass wir unser Ticket doch ausdrucken sollten. Etwas genervt, da wir nur noch etwa 15 Minuten übrig hatten bis der Zug fuhr, rannten mein Partner und ich diesem Typen hinterher (mein Bruder schaute aufs Gepäck) und kamen tatsächlich zu einem kleinen Touristen-Shop wo man Reisen buchen konnte. Alleine hätten wir den Laden vermutlich nicht gesehen oder als Ticketverkaufsladen wahrgenommen. Während ich rannte, schoss mir die Szene vom Film „Slumdog Millionair“ in den Kopf. Etwas gehetzt kamen wir im schmalen Reisebüro an und der Typ hinter dem Tresen druckte das Ticket aus. Auf dem Rückweg immer noch rennend, streckte der Typ neben mir die Hand aus und verlangte Geld. In der Hektik versicherten wir ihm, dass wir das Geld ihm später aushändigen würden. Am Bahnhof angekommen, zahlten wir ihn aus, packten unsere Gepäck und suchten den Waggon Nr. C5. Etwas ausser Atem fanden wir unsere Sitzplätze 38, 39 und 40. Pünktlich wie ein Schweizer Uhrwerk, fuhr der Zug aus dem Bahnhof und prompt darauf kam bereits ein Kontrolleur, welcher das Ticket verlangte. Als wir unser Zettel nach vorne nahmen, schmunzelten die Personen in unserem Abteil und spätestens ab da wussten wir, dass der Typ am Bahnhof uns veräppelt hatte. Mit 500 Rupien weniger, waren wir trotzdem froh, dass wir den Zug erreicht hatten und alles geklappt hatte. Die indische Familie, eine Frau, ihr Man und die drei Kinder welche in unserem Alter zu sein schienen, schauten immer wieder zu uns und schmunzelten - Ich hatte das Gefühl wir fanden sie genauso spannend wie sie uns.
Die Sonne ging auf und am Horizont erschien ein heller Streifen, die die Landschaft in ein warmes orange-rote Licht tauchte. An uns zogen Häuser, Gärten, Strassen und grosse Flächen von Feldern vorbei. Zwischendurch sahen wir Menschen gefolgt von Kühe, Pferde, Hühner und viele Fahrzeuge.
Nach einer gemütlichen und ruhigen Fahrt, wo ich mir endlich wieder einmal Zeit nahm, einen Eintrag ins persönliches Tagebuch zu schreiben und Musik zu hören. Kurze Zeit später kam einen Zugmitarbeiter und verteilte abgepackte Wasserfalschen, Kekse und ein Pulver für den „Masala Chai Tee“.
Die Inder sind sehr bekannt für viele handwerkliche Geschicke wie Handwerkskunst, Technologie und Kochkünste - der „Chai Tee“ und auch das indische „Paneer Butter Masala“ überwiegt einfach alles. Genüsslich schlürfte ich meinen Tee, schrieb in mein Tagebuch und schaute aus dem Fenster.
Wir kamen am Bahnhof in „Agra“ an und bestellten uns ein UBER, welches uns ins Hotel „The Vacation Villa“ brachte, wo uns bereits eine nette junge Dame am Empfangsschalter freundlich begrüsste. Unser Zimmer war bereits bezugsbereit und so waren wir froh, dass wir einerseits unser Gepäck im Zimmer lassen und andererseits uns frisch machen konnte.
Das wir ausser dem Tee und den Keksen noch nicht wirklich satt waren, besuchten wir das empfohlene Restaurant „Lucky‘s Café“ gegenüber vom Hotel. Auf der Dachterasse, wir fühlten uns etwas wie in einer Vogelvoliere mit dem Gitter, bestellten wir unter anderem Pakora (Gemüsetaschen) und ein klassisches indisches Frühstück „Puri Bachi“ (frittiertes Fladenbrot mit einer Currysauce). Gestärkt wollten wir einmal einen traditionellen Kleiderladen aufsuchen. Wir fanden ganz nah beim Hotel einen grossen offenen Laden, wo wir alle einpaar Muster anprobieren konnten. Da wir von den traditionellen Gewändern wenig Ahnung hatten, probierten wir alles aus, was der Verkäufer aus willkürlichen Regal herauszog. Für die drei Gewänder mit Hosen, zahlten wir umgerechnet knapp 50 Franken, was in indischen Verhältnissen ein Vermögen ist. Der Verkäufer schien überglücklich zu sein, wir auch und so verabschiedeten wir uns und kehrten zurück zum Hotel um die Kleider im Hotel zurück zu lassen.
Am Nachmittag blieben wir im Hotel und ruhten uns aus und hatten ein ganz schönes Telefongespräch mit unseren Eltern.
Da es uns am Nachmittag doch noch etwas nach draussen zog, erkundeten wir die Gegend und kamen erst durch die belebten Gassen des Viertels, bis wir zum „Taj Nature Walk“ Weg gelangten. Die Park war schön, ruhig und auch etwas trocken für diese Zeit. Trotz der Trockenzeit sahen wir Schmetterlinge, einen Pfau, Affen und einige Vögel. Wir schlenderten durch die lange und gepflegte Touristenmeile, wo wir viele Cafés, Hotel und Restaurants sahen.
Am Ende unserer Odyssee entschieden wir uns für das „Taj Terrace“, wo wir auf der Dachterasse gemütlich ein Abendessen und ein fruchtiges Getränk bestellten. Nach dem köstlichen Abendessen machten wir uns auf den direkten Weg zum Hotel, wo wir alle eine erholsame Dusche nahmen und etwas erschöpft ins Bett fielen.




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