488. Tag
- siddhiroth
- 29. Apr.
- 4 Min. Lesezeit
Eigentlich hätten wir heute den Bus zurück nach Mumbai genommen. Im letzten Moment entschieden wir uns jedoch ein privates UBER mit einem persönlichen Fahrer zu organisieren, um damit das Waisenhaus und den Bahnhof, wo uns damals die Polizei im Jahre 1996 gefunden hatte, zu besuchen.
Doch bevor es für uns auf eine persönliche Reise in die Vergangenheit ging, stärkten wir uns beim Frühstücksbuffet und besuchten anschliessend den „Aga Kahn Palace“, wo Gandhi im Jahr 1942 festgehalten wurde.
Wir fanden einen schönen gepflegten Garten und lernten einiges über Gandhi, seine Frau und den friedlichen Protest.
Nach der spannenden Besichtigung und dem Herumschlendern im blühenden und weitläufigen Garten, ging es zurück ind Hotel.
Wir packten unsere Sachen und stiegen ins UBER, welcher pünktlich um 13 Uhr in den Vorhof einfuhr.
Wir quetschten unsere Gepäckstücke in den Kofferraum und auf den Beifahrersitz und machten es uns zu dritt auf der Rückbank, so gemütlich wie möglich.
Der erste Stopp war das „Mahila Seva kusumbai“, ein Kinderheim für Mädchen, was NGO ist und ausschliesslich von Frauen geleitet wird. In der Einfahrt wurde es mir sehr mulmig zu mute und nicht nur ich, sondern auch meinem Bruder sah ich die Nervosität im Gesicht an. Bereits am Tor wurden wir nachdem wir uns kurz vorstellten, herzlich empfangen. Der Wächter verwies uns in ein Gewölbe eines neu renovierten Gebäudes und unseren Fahrer auf ein freistehender Parkplatz.
Im Gebäude wurden wir wieder von einpaar Mitarbeiterinnen angesprochen, die leider nur gebrochen English sprechen konnten. Eine Frau konnte sehr gut englisch sprechen und verstand was der Grund für unseren Besuch sei. Nach einpaar Telefonaten und einem köstlichen Chai-Tee, lernten wir nicht nur das freundliche Fachpersonal, sondern auch „Sunita“ die Leiterin kennen.
Als wir so dasassen und den Hof betrachteten kamen alle Gefühle hoch. Es fühlte sich so komisch an, da es zwar ein Ort war wo wir einst gelebt haben, wir uns jedoch kaum zurück erinnern konnten. Dies lag auch daran, dass der Ort komplett neu aufgebaut wurde und nicht mehr in diesem Zustand war wie damals.
In einem so warmherzigen Gespräch mit „Sunita“ fanden wir heraus das 138 Kinder im Heim betreut werden. Hauptsächlich sind das Mädchen aber auch Jungs können bis sie 6 Jahre alt sind hier Wohnen bis sie an ein anderes Heim weitergeleitet werden. Nicht nur Waisenkinder sondern auch Kinder deren Eltern sich nicht vollumfänglich um sie kümmern können werden aufgenommen. Auch werden Adoptionsplätze vermittelt. Jedoch nur bei Kindern, die keine lebende Verwandten mehr haben.
Nachdem Gespräch durften ich und mein Bruder (mein Partner durfte nicht mit) die Räumlichkeiten der Babys und den älteren Kindern anschauen, welche mit den bunten Wänden und Bemahlungen so liebevoll dekoriert wurde.
Aus Datenschutzgründe und um die Integrität der Kinder zu schützen, durfte ich nur von den unbewohnten Räumlichkeiten ein Foto machen.
Nach dem Hauptbereich kamen wir in ein Gang welcher in unterschiedliche Zimmer führten. Es gab zwei Haupträume, die je nach Altern der Kinder unterteilt waren, saubere Toiletten und Duschen, ein Zimmer für die zweimal wöchentlichen Arztbesuche (eine Frau die extra von extern kommt), ein Küche, ein grosses Spielzimmer und einen Aufenthaltsraum für die Mitarbeiterinnen.
Als wir die Kinder hinter den Absperrgittern sahen, kamen die Tränen nochmals hoch. Die Heimleiterin war sehr liebevoll und ich hatte das Gefühl, dass sie uns sehr gut verstand und uns gegenüber grosse Empathie zeigte.
Nach der Besichtigung tauschten wir den Kontakt aus, bedankten uns herzlich bei allen und machten uns auf den Weg.
Es war so toll für uns, dass wir einerseits das Waisenheim sehen durften und andererseits zu wissen, dass die Kinder so gut wie möglich in einem wohl behüteten Umgebung aufwachsen können.
Unser Fahrer musste etwa eine Stunde auf uns waren. Als wir ihm den Grund für das lange Wegbleiben erklärten, (er konnte nur gebrochen englisch), war es für ihn verständlich.
Mit einem befreienden Gefühl sassen wir wieder im Auto. Einmal mussten wir einen Halt beim an einer Tankstelle, einlegen und so machten wir uns anschliessend mit vollem Gastank wieder auf den Weg zum Bahnhof "Karjat", was eine Fahrt von über zweieinhalb Stunden bedeutete.
Mit dem Gasbetriebenen Auto kamen wir definitiv besser und schneller voran und lernten auf der Fahrt unser Chauffeur etwas besser kennen. Wir sprachen über Filme, Musik, Autos und vieles mehr.
Es fühlte sich alles so erleichternd und befreiend an und es tat uns glaube ich allen gut, nach dieser etwas betrübten Stimmung froh gestimmt zu plaudern und im Auto Musik zu hören.
Zwischendurch machten wir bei einem "Foodcourt", einer Raststätte Halt und bestellten für uns und den Fahrer „Olaba“, was sehr gut schmeckte.
Es wurde bereits wieder etwas dunklerer am Himmel, als wir in die Ortschaft "Karjat" um sechs Uhr eintrafen. Auch hier wuselten die Menschen auf den Strassen und hinter ihren Verkaufsständen herum. Wir suchten mit dem Auto einen Weg durch die Menschenmasse zu finden und stiegen kurz vor dem Bahnhof aus.
Im Eiltempo, da es bereits zu dunkeln begann und der Fahrer es mittlerweile doch etwas eilig hatte (wegen der Rückgabe des geliehenen Autos), hetzten wir auf den Bahnhof. Wir standen alle auf dem Bahnsteig und viele Menschen hatten sich auf dem Perron versammelt, da neben uns ein alter Zug in den Bahnhof eintraf.
In diesem Getümmel versuchten wir uns ein Bild vom damaligen Bahnhof zu machen, was uns sehr schwer viel da er wohl in der Zwischenzeit umgebaut wurde.
Etwas in Eile suchten wir den Weg wieder zurück zum Auto und fuhren raus aus der Stadt. Im Auto sprachen wir über die Vergangenheit und über alte Erinnerungen, was sehr gut tat.
Es war dunkel geworden, als wir mit dem Auto aus dem Tal herausschlängelten und die Hauptstrasse nach "Mumbai" erreichten.
Nach einem kurzen Nickerchen sah ich bereits wieder hohle Wolkenkratzer, helle Lichter und viele Autos um mich herum.
Die 70 kilometer lange Strecke zog sich hin und so kamen wir mit dem Verkehr eingerechnet, um neun Uhr bei unserer neuen Unterkunft „Abode Hotel“ an.
Das Hotel befand sich im zweiten Stock und machte uns im ersten Blick einen komischen Eindruck. Als wir in der Lobby standen, welcher zugleich der Frühstücksraum war, sahen wir die originell, jedoch recht toll eingerichtete Eingangshalle. Der Rezeptionist begrüsste uns herzlich und nachdem ich wieder meine Unterschrift in ein dickes Buch, welches mich an den Nicklaus erinnert reinschreiben musste, zeigte er unser Zimmer.
Das Zimmer war sehr schön und einladend eingerichtet. Völlig geschafft, richteten wir uns ein, nahmen eine Dusche und gingen erschöpft und zufrieden ins Bett.




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